Stefan und Kerstin Weiher

Mitglieder im

Seglerverein Rahnsdorf 1926 e.V.

 

 

Fahrtenwettbewerb 2025 des Seglerverein Rahnsdorf 1926 e.V.

Reisebericht:

Der Mittelländische Meereskreis mit SY Nordstern 2 (Teil 1)

 

 

Das geschichtsträchtige Mittelmeer – dafür gibt es viele Namen: Mittelländisches Meer,

Mare Nostrum, Megale Thalassa und, und, und ….

Dieses Mittelländische Meer auf eigenem Kiel durch die Binnengewässer zu erreichen, zu

durchqueren und wieder durch die Binnenreviere heil nach Hause zu kommen – dieser Plan schwebte

uns seit 10 Jahren im Kopf herum. Dieses Jahr war es nun endlich so weit.

 

Die Crew – Stefan & Kerstin Weiher

 

Unsere ersten Vorbereitungen begannen im September 2024. Wir hatten uns über unsere Hausärztin,

entsprechend den Empfehlungen des Instituts für Tropenmedizin, die für diese Länderregion 6

Impfungen bzw. Folgeimpfungen (Tetanus, Hepatites A+B, Tollwut, FSME und Typhus) verabreichen

lassen. Ebenso waren eine Auslandskrankenversicherung, die Bootshaftpflicht- und

Bootskaskoversicherung für uns selbstverständlich. Im Spätherbst 2024 kontaktierte ich 9 griechische

Marinas/Werften wegen einem Winterquartier, welches wir hinsichtlich seiner geographischen Lage

auch ohne allzu großen Zeitdruck erreichen konnten. 6 Antworten erhielten wir, bei 3 Standorten

hätte es funktioniert und so entschieden wir uns für die kleine Schiffswert von Lambros Mitsoudis in

Thessaloniki und vereinbarten alles Erforderliche.

Viele Informationen konnten wir auch aus den einschlägigen Foren (z.B. Mittelmeer-Forum) oder

auch den Fahrtenseglerhinweisen des DSV entnehmen. Ebenso erfolgte die Anfrage an das WSA in Regensburg zur Beantragung des Donaubefahrerlaubnisscheins gemäß Donauschifffahrtspolizeiverordnung

und auch die Entrichtung der erforderlichen Bootssteuer an den griechischen Staat. Der

Donaubefahrerlaubnisschein wurde zwischenzeitlich hinfällig, da die Donauschifffahrtspolizeiverordnung

zum 01.09.2024 außer Kraft gesetzt und durch die Binnenschifffahrtsstraßenordnung

ersetzt wurde. In der beiliegenden Törnskizze ist der Verlauf unserer Reiseroute mit den einzelnen

Stationen dargestellt.

 

Nach weiterer gründlicher Vorbereitung im Winter 2024/2025, Komplettierung des Kartenmaterials,

professioneller Prüfung der Maschine (durch die unseren Verein betreuende Bootsmotorenwerkstatt,

insgesamt war unser Schiffsdiesel 584 h in Betrieb und verbrauchte 726 Liter Kraftstoff) und des Riggs

(Riggbauer) inklusive Segel (Ergänzungen und Änderungen durch Segelmachermeisterin) sowie vielen

anderen Dingen, gab es am 04.05.2025 im Verein eine kleine Abschiedsrunde und am anderen

Morgen legten wir aus dem Hafen unseres Seglervereins Rahnsdorf ab mit gelegtem Mast.

 

04.05.2025 – Nordstern2 ablegebereit im Hafen des Seglervereins Rahnsdorf 1926 e.V.

 

Zunächst ging es durch den Großen Müggelsee, die Spree und Dahme vorbei am Köpenicker Schloss

in den Teltowkanal. Mittags erreichten wir mit Kleinmachnow unsere 1.Schleuse (von insgesamt 85).

Nachdem wir die Potsdamer Gewässer geschafft hatten, war Brandenburg/Havel unsere erste

Tagesetappe.

Einen gesonderten Wachplan gab es für unsere kleine Zweiercrew nicht. Kerstin und ich haben uns in

den vergangenen Jahren angewöhnt an der Pinne stündlich zu wechseln, so dass das

„wachfreie“ Crewmitglied sich anderen Arbeiten zuwenden oder auch entspannen konnte.

Die Temperaturen bewegten sich tagsüber im Mai um die 15°C, nachts fielen diese noch öfters unter

den Gefrierpunkt. So ging es weiter den Elbe-Havel-Kanal über Burg in den Mittellandkanal. Da die

Kanalbrücke des MLK bei Magdeburg über die Elbe noch 2 Wochen gesperrt blieb, mussten wir in

Niegripp zu Tal schleusen, 12 Km die Elbe bergan fahren und in Magdeburg-Rothensee zu Berg

schleusen um anschließend im MLK weiterzukommen.

Weitere Stationen waren Calvörde, Calberlah, Sehnde, Idensen, Preußisch Oldendorf, Recke,

Fuestrup, Olfen und Oberhausen. Hinter Preußisch Oldendorf passierten wir auch das historische

Gelände der Varusschlacht im Archäologischen Park Kalkriese. Zwischendurch haben wir uns bei

einem Hafentag in Fuestrup die schöne Stadt Münster mit Rathaus und Friedenssaal angeschaut. Bei

Hiltrup auf dem Dortmund-Ems-Kanal wurden wir bei Km 63 von der Wasserschutzpolizei während

der Fahrt kontrolliert, da ein Fender eine Ziffer unserer DSV-Registrationsnummer verdeckte. Die

Kontrolle verlief entspannt und freundlich. Interessant war auch die Art und Weise der Entrichtung

des Liegegeldes in den Häfen. In der Regel hing eine Art Briefkasten aus, dem man einen

Briefumschlag entnahm. Hier waren die erforderlichen Anmeldeinformationen aufgedruckt, dieser

Vordruck wurde von uns ausgefüllt, das erforderliche Geld dort eingelegt und wieder in den

Briefkasten eingeworfen – Kasse des Vertrauens. Eine gute Lösung, wenn kein Vereinsmitglied

anwesend ist.

Am 17.05.2025 (nach 13 Tagen und 631 Km) erreichten wir nach dem Passieren der Schleuse

Duisburg-Meidrich bei Rhein-Km 780,5 den Rhein. An den Spundwänden der Schleusenausfahrt (also

nach Verlassen der Kammer) zeigten die Ablagerungsspuren das ca. 2,5 bis 3 m Wasserhöhe im Rhein

bereits hier fehlen. Das sollte sich später streckenweise noch mehr bemerkbar machen.

Bis Mainz waren wir nun Bergfahrer für 283 Km. Die Gegenströmung mit ca. 2,5 - 3 Knoten machte

sich sofort bemerkbar und erlaubte ein FdW mit ca. 3 Knoten bei 2.000 U/min. Die Wassertiefe in der

Fahrrinne betrug hier noch zwischen 2,5 – 3,5 m. Das sollte sich aber in näherer Zukunft ändern.

Geplant waren 4-5 Tage Rheinfahrt, es wurden 9 Tage, die Strömung wurde stärker und wir langsamer. Diesel musste nun täglich besorgt werden, der Kraftstoffverbrauch erhöhte sich.

In Deutschland und Österreich war die Versorgung mit Diesel noch gesichert durch naheliegende

Straßentankstellen, hinter Bratislava änderte sich die Versorgungssituation und auch die Fußweglänge

erheblich.

Wir legten nun die Etappen Krefeld (hier gab es Wasserschildkröten im Hafen), Neuss (interessante

römische Historie), Hitdorf, Porz-Zinndorf (vorbei an dem gewaltigen Kölner Dom) und Brohl (durch

die alte Bundeshauptstadt Bonn in Richtung Siebengebirge) zurück. Ursprünglich wollten wir vor

Brohl in Oberwinter festmachen. Mittlerweile ist der Rheinpegel so weit gesunken, dass die

Fahrrinnentiefe nur noch zwischen 2 – 2,5 m betrug, aber oft waren die Hafeneinfahrten bedeutend

flacher als die Fahrrinne. Unser Tiefgang (voll beladen) mit 1,10 m war für die Hafeneinfahrt

Oberwinter zu viel, so wichen wir nach Brohl aus. Viele andere Häfen, in die wir nicht hineinkamen

(bis zum Schwarzen Meer) sollten folgen. Ab Köln wurde der Rhein landschaftlich nun schöner, die

Industriebereiche traten mehr in den Hintergrund.

Mittlerweile fährt die Großschifffahrt nur noch mit halber Ladung und mit Tiefgang um 1,8 – 2 m

(normal bis 3,3 m Tiefgang im vollen Ladezustand, das war noch möglich bis vor Köln). Ergänzend

muss gesagt werden, dass die Fahrt auf dem Rhein gegen den Strom sehr herausfordernd und

kräftezehrend für uns war, verbunden mit permanenter und konzentrierter Aufmerksamkeit. Die

Strömung erlaubte die Schiffssteuerung überwiegend nur mit beiden Händen an der Pinne, die

Talfahrer waren sehr schnell (> 20 Km/h) und fuhren in den Außenkurven (dort ist es tiefer und die

Strömung stärker). So mussten wir auch permanent die Flussseiten vor und hinter den Kurven

wechseln, durch die „Autobahn“ der Großschifffahrt hindurch, aber die geringere Strömung der

flacheren Innenkurven kam uns zugute.

Es folgte dann das Deutsche Eck an der Moselmündung in den Rhein bei Koblenz, bevor es uns nun in

den Gebirgsabschnitt hineinführte. Ein besonders schöner Rheinabschnitt war unbestreitbar das

Rheinische Schiefergebirge mit der Loreley, wenige Kilometer vor der Revierzentrale Oberwesel.

Durch den niedrigen Wasserstand waren teilweise die Felsen in der Flussmitte sichtbar, so die 7

Jungfrauen. Wenige Meter weiter betrug die Wassertiefe über 20 m, versehen mit etlichen sichtbaren

Strudeln. Ebenso musste gut auf die Verkehrsregelung der 4 Signalstationen der Revierzentrale

Oberwesel geachtet werden, ob ein Talfahrer und mit welcher Länge entgegenkommt oder die Fahrt

gar gesperrt ist.

 

24.05.2025 – Der Loreleyfelsen (links), Rhein Km 554, Deutschland

 

Die Gebirgsfahrt auf dem Rhein mit seinen vielen Burgen auf den Felsen war schon ein

landschaftlicher Hingucker.

Zwischen St.Goar und Rüdesheim kam bei Km 530 unsere „Angststelle“ – das Bingener Loch

unterhalb der Burg Ehrenfels. Unsere theoretische Rumpfgeschwindigkeit beträgt 6,1 Knoten. Wir

kamen, fast unter Volllast mit 0,6 - 0,8 Knoten (VolvoPenta mit 30 PS) durch, d.h. die Gegenströmung

betrug rechnerisch ca. 5,5 Knoten. Große Erleichterung bei uns beiden nach unserer

„Angststelle“ (eine weitere sollte noch kommen, von der wir bis jetzt nichts wussten) und im Hafen

Rüdesheim wurde der Abend mit einem kühlen Wein beendet. Nach Rüdesheim erreichten wir am

25.05.2025 den Hafen Mainz. Genau gegenüber liegt die Mainmündung.

Der Main – nicht vergleichbar mit dem Rhein. Ruhiges Wasser, Gegenströmung mit maximal ca. 1

Knoten. Landschaftlich war der Main für uns schöner als der Rhein. Dafür gab es auf dem Main aber

die meisten Schleusen (33 von 85), diese lagen teilweise nur 2-3 Km auseinander auf den 384 Fluss-

Kilometern (9 Tage). Das Schleusenpersonal war sehr freundlich, Anmeldung per Funk und wir

schleusten oft auch allein. An 2 Tagen schafften wir sogar je 6 Schleusen, meistens war es: anmelden,

ankommen, reinfahren und durch = ca. 20 Minuten.

Viele schöne Städte konnten wir uns täglich anschauen: Frankfurt, Aschaffenburg, Erlenbach,

Wertheim, die Schneewittchenstadt Lohr, Eibelstadt, Wipfeld und Eltmann bevor wir beim Main-Km

384 in den Main-Donau-Kanal bei Km 0 kurz vor Bamberg einfuhren. Nun wurden aber auch die

Schleusen größer. Das System der Sparschleusentechnik erzeugt bei der Bergschleusung im ersten

Drittel der Steighöhe einen enormen Wasserdruck unter dem Schiff sowie zwischen dem Schiff und

der Kammerwand, so dass das Schiff nur mit äußerster Körperkraft mit den Leinen und

Schleusenhaken an den Leitern gehalten werden konnte. Einmal schafften wir es allerdings nicht und

wir stellten uns quer in der Kammer (zum Glück waren wir allein), der Bug trieb ab, das Heck drehte

sich zur Kammerwand, der Masttopp ratschte an der Kammerwand lang und dieses Ereignis kostete

uns den Verklicker und das Topplicht. Das war sehr ärgerlich und wir hatten den ganzen Törn nicht die

Möglichkeit das Topplicht zu ersetzen. Wir behalfen uns für das kaputte weiße Topplicht dann mit

einem mobilen Ankerlicht. Die höchste Steighöhe von 24,7 m wurde hier in den Schleusen

Leerstetten, Eckersmühlen und Hilpoltstein erreicht (außer Eisernes Tor 1 – Djerdap 1 mit 32 m

Fallhöhe, aber mit 2 Kammern hintereinander).

 

06.06.2025 – Denkmal Europäische Wasserscheide bei Bachhausen, Main-Donau-K. Km 110, Deutschland

 

Nach Hilpoltstein kamen wir am Monument der europäischen Wasserscheide im MDK vorbei (Km

110). Das ist der höchste Punkt (406 m ü.N.) im europäischen Wasserstraßennetz – die Europäische

Hauptwasserscheide bei Bachhausen, für die Gewässerverbindung zwischen der Nordsee und dem

Schwarzem Meer. Wir passierten nun Haidhof im MDK, legten dort an und nahmen am 08.06.2025

die letzte Kanalschleuse in Kelheim. Unmittelbar dahinter (nach 171 MDK-Kilometer und 4 Tage)

fuhren wir bei Km 2.411 in die Donau ein, auf der wir nun 37 Tage und 2.151 Km unterwegs sein

werden. Sofort machte sich die Strömung bemerkbar, welche uns mit Kraft talwärts den letzten

heutigen Kilometer trieb und wir in der Marina Saal in Kelheim festmachten. Pfingsten verbrachten

wir in dem schönen Kelheim.

Hinweis: Auf der Donau beginnt die Kilometrierung in Sulina (Rumänien, Donaudelta bei Null). Somit

verringert sich die Kilometrierung talwärts bis zum Schwarzen Meer.

Dienstag, den 10.06.2025 erfolgte nach 200 Maschinenstunden und 1.532 Km der Öl- und

Filterwechsel für unseren Schiffsdiesel in der Marina Saal in Kelheim.

12.06.2025 – Ein Ruderboot von Ulm nach Wien unterwegs, Donau, Schleuse Kachlet, Deutschland

 

13.06.2025 – Schlögener Schlinge, Donau Km 2018, Österreich

 

Am 13.06.2025 verließen wir den letzten deutschen Hafen Obernzell (Donau-KM 2.212) und

erreichten die letzte deutsche Schleuse Jochenstein bei Km 2.204. Der heutige Tag führte uns noch

bis Linz. Im Winterhafen Linz fanden wir einen guten Platz für uns und besichtigten noch die sehr

schöne historische Innenstadt. Die nächsten beiden Tage brachten uns bis Tulln, ca. 30 Km vor Wien.

In Tulln blieben wir 6 Tage. Tulln war ein Tipp von einem Österreicher in Haidhof, welcher mit seiner

Zille Richtung Norddeutschland unterwegs war. Die Nibelungenstadt Tulln und auch Wien wollten wir

uns nicht entgehen lassen. Mit dem Vorortzug (alle halbe Stunde) war man nach 40 Minuten in Wien.

Sachertorte, Stephansdom, Hofburg, Nibelungen – die ganzen klassischen Touristenziele waren mit

dabei. Hinter Wien in der Wachau wurde die Strömung erheblich stärker, wir erreichten im Standgas

(900 U/min) nunmehr 10 Knoten Fahrt durchs Wasser, d.h. die Flußströmung betrug ca. 7,5-8 Knoten.

Am 22.06.2025 kam nun noch Hainburg – hier lagen wir am ehemaligen Zollponton – und danach

gings am nächsten Tag bis Bratislava, der slowakischen Hauptstadt. Hier verkehrt auch die

Schnellfähre Wien – Bratislava. Wir haben noch nie eine solche Rücksichtslosigkeit von einem

Fährschiff erlebt, welches mit Höchstgeschwindigkeit (gefühlt wie ein ICE) in 50-70 m Entfernung am

Anleger vorbeiraste und uns mehrfach gegen den Ponton mit Kraft warf. Die Einheimischen hatten

uns gewarnt …

 

23.06.2025 – Bratislava, Donau Km 1871, Slowakei

 

Bratislava (Slowakei) hat eine reizende Altstadt und sich viel von seinem ehemaligen österreichischen

Charme bewahrt. Die Stadtrundfahrt führte uns quer durch die Altstadt und auch in die Burg.

Festgemacht hatten wir bei Dodo im Sportboothafen. Hier war es auch sehr freundlich, Taxis wurden

für uns organisiert die uns brachten und abholten. Das Essen hat gut geschmeckt, der Preis war noch

erträglich. Spätestens ab Bratislava merkten wir, dass gerade im Sanitärbereich der Häfen und auch

der Hafenanlagen die Qualität zunehmend geringer wurde. Aber irgendwann gewöhnt sich der

Mensch daran, auch wenn wir noch nicht wussten, was uns später noch alles erwartete. Die

Ansprüche werden zurückgefahren und was uns eben noch als nicht annehmbar erschien, wäre wenige Tage später der blanke Luxus für uns gewesen. Heute am 24.06.25 stand uns die Schleuse

Gabcikovo bevor. Besonderheit der Schleuse ist, Schiffe mit weniger als 30 PS Motorisierung werden

nicht geschleust. Um 05:30 Uhr telefonisch angemeldet und alles klar gemacht (die technischen

Daten zum Schiff wurden abgefragt, der Schleusenwärter sprach deutsch!). Das ist nun unsere letzte

Schleuse vor dem Eisernen Tor, d.h. die nächsten 900 Km keine Schleuse mehr. Hier wurde die Donau

nun ca. 3 Km breit. Um 10 Uhr waren wir an der Schleuse und 1 Stunde später durch. Dann kam

Komarno, dort angelegt und den Wassertank (70 Liter) aufgefüllt, auch Diesel ergänzt. Auch

Frischwasser zu bekommen war nun keine Selbstverständlichkeit mehr, also immer bunkern, sofern es

sich anbot. Von Komarno in der Slowakei ging es weiter nach Ungarn hinein.

 

27.06.2025 – Esztergom, Donau Km 1720, Ungarn

 

Mittlerweile hatte auch die Hitze stark zugenommen (35 - 40°C) und die Wassertiefe verringerte sich

erheblich. Anhand von Tiefenmarken konnte man davon ausgehen das mittlerweile mindestens 3-4 m

Wassertiefe in der Donau fehlten. Das machte sich sehr deutlich in Esztergom, Budapest und

Kisapostag. Hier konnten wir nur noch an den Stegköpfen anlegen, denen wir uns mit Standgasfahrt

näherten. An den Stegköpfen waren noch ca. 1,3 – 1,5 m Wassertiefe vorhanden. Esztergoms

mittelalterliche Königsburg ist sehr sehenswert und am 27.06.2025 auf eigenem Kiel auf der Donau

an dem Budapester Parlament vorbei zufahren ist schon ein besonderes Erlebnis. Nach Kisapostag

(Ungarn) klarierten wir in Mohacs (Km 1.449) aus Ungarn und der EU aus, um die Fahrt nach Serbien

fortzusetzen. Dazu mussten wir die Stationen Polizei, Wasserschutzpolizei, Zoll, Gesundheitsinspektor

und Amtsleitung passieren. Alles war in dem Hafenamt untergebracht. Knapp 1 Stunde nach dem

Anlegen konnten wir schon wieder ablegen, die eigentlichen 5 Kontrollstationen dauerten nur eine

Viertelstunde. Grund: In allen Büros wurde Formel 1 geschaut, hier waren wir nun der Störfaktor und

mussten schnell wieder weg. Gut für uns.

Weiter ging es nach Bezdan (Serbien, Donau-Km 1.445) zum Einklarieren. Es wurde bereits dunkel.

Eine Grenzpolizistin erledigte hier die Behördenvorgänge. Wir lagen an einer alten Schute am Grenzanleger. Nunmehr war es stockdunkel, höflich gefragt und wir konnten bis zum Morgen dort

liegen bleiben. Der nächste Stopp am 29.06.25 war Apatin – welches laut Donauhandbuch ebenfalls

ein Port of Entry zum ein- bzw. ausklarieren sein sollte. Gut, dass wir uns nicht darauf verlassen

hatten und alles schon in Bezdan erledigten. Mangels Wasser kamen wir nicht in den Hafen, also

festgemacht am Zollponton. Hier war aber alles schon beräumt und die Tore der Zu- und Ausgänge

verschlossen, der Ponton war schon außer Funktion gestellt. Also sind wir mit den leeren Kanistern

über die Tore und Zäune geklettert (nicht das letzte Mal) und die 2 Km zur Tankstelle gelaufen. Der

ehemalige Zollponton liegt an einer Donaukurve und wenn die Donaukreuzer vorbeifahren, gibt es

enormen Schwell, so dass wir stark gegen den Ponton geworfen wurden. Nachdem wir das zweimal

mitmachten und uns die mittlere Relingstütze an der Steuerbordseite dabei verbog, warfen wir

schnellstens die Leinen ab und sind zwischen 2 in der Nähe verankerten Schuten gefahren und haben

dort unseren Anker fallen lassen und somit auch unsere erste Ankernacht gehabt. In Serbien blieben

wir 6 Tage und weitere Stationen waren Novi Sad, Belgrad und Smederevo. Da es aber in Serbien zu

diesem Zeitpunkt politische Unruhen gab, insbesondere in Belgrad und Novi Sad, legten wir keine

Hafentage ein. Aus unserer Sicht empfanden wir Serbien als das schmutzigste Land auf dem

gesamten Törn. Auffällig war, das Dinge, die in oder an der Donau kaputt gingen, versanken oder

umkippten an Ort und Stelle verblieben, ob es sich nun um Schiffe, Häuser oder Hafenanlagen

handelte. An beiden Donauufern wurde besonders um Belgrad herum viel gebaut. Wir konnten auch

beobachten, dass der Bauschutt mit Radladern in bzw. an die Donau geschoben wurde und dort am

Donauufer liegen blieb. In Veliki Gradiste klarierten wir aus Serbien aus und wurden von den

höflichen Grenzpolizisten zum Boot begleitet. Noch ein kurzer Datenabgleich und wir hatten Serbien

verlassen und nahmen Kurs auf das rumänische Moldava Veche und klarierten dort am 04.07.2025

ebenso entspannt nach Rumänien und in die EU ein. Die Donau war nun ein rumänisch-serbischer

Grenzfluss. Allerdings konnten wir ab hier auch die ersten großen Buschbrände beobachten.

 

05.07.2025 – Ankerplatz vor der Festung Golubac, Donau Km 1041, Banater Gebirge, Serbien

 

Bei Korinini, unmittelbar vor dem Beginn der Gebirgsstrecke durch die 4 Stromengen des Banater

Gebirges, ließen wir den Anker fallen, unmittelbar vor der mittelalterlichen Festung Golubac

(serbisches Ufer). Eine großartige Perspektive und für uns der schönste Ankerplatz auf dem ganzen

Törn. Auch wenn die Donau hier mehrere Kilometer breit ist, blieben wir in guter Entfernung zur

Fahrrinne. Die Großschifffahrt schiebt hier mit mittlerweile bis zu 12 (!) Schuten mit einem

Schubboot. 4 Schuten nebeneinander und 3 Schuten hintereinander. Hatten wir vorher noch nie so

gesehen. Am nächsten Morgen ging es dann weiter in die Gebirgsstrecke der Donau durch das

Banater Gebirge (Südkarparten). Durch 3 der 4 Stromengen ging es heute, vorbei an den

Donauregulierungstafel von 1892, der Trajanstafel (1.Jh), dem Kloster Mranconia und den im Felsen

gemeißelten Kopf des Dakerkönigs Decebal (55 x 22m). Eine grandiose Gebirgsfahrt. Die große

Schleuse Eisernes Tor 1 (Djerdap 1) erreichten wir am 06.07.2025. Diese Woche war Rumänien mit

dem Schleusen dran, Anmeldung beim Schleusenpersonal per Funk, kurz danach konnten wir mit

zwei Frachter in die obere Kammer der Schleuse auf der rumänische Uferseite einfahren.

310 m x 34 m misst die Schleusenkammer. Die Fallhöhe beträgt 32 m, welche sich die obere und

untere Kammer hälftig teilten. Das Eiserne Tor 2 folgte am nächsten Tag und hatte nur 8 m Fallhöhe.

Erwähnenswert ist noch, dass seit der Slowakei der gesamte Funkverkehr zwischen den Schiffen und

auch mit den Schleusen auf Russisch praktiziert wurde. Wenn man mit Englisch bei der Schleuse

„dazwischen grätschte“, funktionierte das am Eisernen Tor 1+2 erst im zweiten Anlauf. Im

rumänischen Turnu Severin unterhält die Reederei BeoTrade den Anlegerponton „Aurora“. Dieser

Ponton wird von einem „ausgedienten“ Bootsmann bewirtschaftet und ist kostenfrei der

Sportschifffahrt vorbehalten. Eine sehr gepflegte Anlegestelle mit Sanitäreinrichtung,

Frischwasserversorgung und Bewachung durch Oskar dem Schiffshund. Was will man mehr. Wir

waren die einzigen Gäste dort. Nach einer weiteren Ankernacht bei Kundelin auf der Donau machten

wir am 08.07.2025 im bulgarischen Vidin (Donau-Km 790) fest, stellten am nächsten Morgen unseren

Mast und riggten Nordstern 2 am Polizeiponton auf. Nun waren wir wieder ein richtiges Segelboot.

Die restlichen Brücken bis zum Schwarzen Meer waren nun hoch genug für unsere erforderliche

Durchfahrtshöhe von 12 m. Aber segeln auf der Donau war leider nicht möglich, die geringe

Wassertiefe und die nunmehr zahlreichen Sandbänke, welche teils sehr hoch aus dem Wasser

standen, so das der Fahrwasserverlauf nicht weiter einsehbar war und sich nun als Zickzack-Route

offenbarte, ließen dieses Vorhaben nicht zu. Desweilen war auch die Betonnung der Fahrrinne nicht

mehr verlässlich, diverse Fahrwassertonnen waren vertrieben oder lagen bereits auf dem Trocknen.

Hinter dem bulgarischen Nikopol und vor Rousse lag nun auch noch der erste, innerhalb der

Fahrrinne, festgefahrene Frachter am Donau-Km 563. Diesen umrundeten wir im Standgas an dessen

Heck. Die Tiefgangsskala an seinem Rumpf zeigte den Wasserspiegel bei 1,5 m. Wir hatten also noch

40 cm Spielraum. Nach den bulgarischen (traurigen) Häfen Simeonov, Oriahovo und Nikopol

erreichten wir Rousse und legten beim YC Port Rousse an. Auch hier mussten wir uns in Standgasfahrt

an einen Steg herantasten und 4 Mitglieder lotsten uns an den Anleger. Einer schob uns von der Seite

mit seinem Surfbrett auf dem er saß, einer holte 2 Autoreifen zum abfendern, der dritte nahm die

Leinen und zog ins langsam an den Steg und der vierte gab uns 2 Büchsen eisgekühltes Bier, welches

bei der Hitze sehr willkommen war. Wir wurden hier mit so viel Herzlichkeit aufgenommen, wie wir es

noch nie erlebten. Als kleinen Dank übergaben wir unseren Vereinswimpel, welcher auch sofort im

Vereinssaal zwischen den anderen unzähligen Wimpeln seinen Platz fand. Rousse ist ein Stopp wert.

Eine schöne Stadt mit gut sanierter historischer Altstadt und Parkanlagen. Wir wären gerne einen Tag

länger geblieben, aber das Wasser lief uns wortwörtlich unter dem Kiel weg. Hinter Rousse nahm die

Wassertiefe der Donau derartig ab, dass die Großschifffahrt nun völlig zum Erliegen kam. Hier war die

Donau nun vollständig ein rumänischer Fluss. Auf beiden Donauufern reihten sich die gestrandeten

Frachtschiffe aneinander. Gegen Mittag, nahe der Insel Brichliam, verirrten wir uns zwischen den

Sandbänken der Donau, fanden aber bevor es kritisch wurde, den Weg aus dem Wirrwarr zurück in

die „Fahrrinne“. Aber nun ging die Wassertiefe sogar bis auf 1,3 m runter. Die sprichwörtliche

Handbreit Wasser unter dem Kiel bekam eine enorme Bedeutung. Mit Standgas gings weiter, wir

waren nun nur noch ca. 5 Km von Cernavoda entfernt. Einen „Plan B“ gab es nicht. Jeden Moment

rechneten wir mit dem Auflaufen und Festsitzen, was aber glücklicherweise ausblieb und wir damit

unsere zweite Angststelle (welche wir erst hier erkannten) überwunden hatten.

 

13.07.2025 – Wrackidylle, Donau Km 430, Rumänien

 

13.07.2025 – Ankeridylle bei Vetren, Donau Km 395, Bulgarien

 

Wir hatten nun Cernavoda erreicht und mussten nun den weiteren Weg entscheiden: Der

ursprüngliche Plan war das Donaudelta zu durchfahren. Die Donau ist aber vor dem Delta ein ca. 50

Km langer ukrainisch-rumänischer Grenzfluss. Nur wenn sich die aktuelle politische Situation

Ukraine/Rußland sich entspannt hätte, gehen wir durchs Delta nach Sulina am Schwarzen Meer,

andernfalls nehmen wir den Donau-Schwarzmeer-Kanal ab Cernavoda nach Constanta am Schwarzen Meer.

Die Kriegssituation Ukraine/Rußland war unverändert und zusätzlich kam erschwerend der

Wassermangel in der Donau. Der weitere Kurs war einstimmig von uns entschieden worden. Wir

meldeten uns beim Hafenamt Cernavoda für die Kanalfahrt an und konnten am 15.07.2025 morgens

als einzige Anmeldung die Schleuse Cernavoda problemlos passieren. Somit begannen wir unsere 64

Km lange, relativ entspannte Kanalfahrt bei sicheren 7m (!) Wassertiefe.

Der Kanal wird von einer privaten Gesellschaft betrieben. Vor dem Passieren unserer letzten (85.)

Schleuse Agigea in Constanta mussten wir noch anlegen und unsere Passage bezahlen – für

Interessierte: 175 € für unsere 8 m LüA.

Danach wurden wir aufgefordert in die Schleuse einzufahren, um mit einem kleinen Frachter auf das

Meeresniveau zu schleusen. Bei der Ausfahrt aus Kammer eröffnete sich ein riesiger Handelshafen,

welcher sich über 5 Seemeilen ausbreitete. Hier sahen wir auch die ersten Delphine. Abends legten

wir dann im Hafen Port Tomis in Constanta an. Wir waren nun im Schwarzen Meer nach 73 Tagen und

3.714 Km angekommen. Hier legten wir zwei Hafentage zur Erholung und Besichtigung des schönen

und interessanten Constanta ein. Bei einem herrlichen Segelwind aus West bei 4 Bft starteten wir mit

Kurs Süd am 18.07.2025 nun unseren ersten Segeltag. Ab Port Tomis bis zum Bosporus befanden wir

uns auch unter ständiger Beobachtung der rumänischen, bulgarischen und türkischen Küstenwache.

Jede unserer Bewegungen auf dem Wasser wurde begleitet durch Küstenwachschiffe in Sichtweite

sowie auch per Funk (täglich wurde mehrfach das Woher, Wohin, Wer wir sind, Welche Flagge,

Wieviel Personen usw.) abgefragt. Das An- und Abmelden bei den jeweiligen Hafenbehörden war

zwingend. So liefen wir am 18.07.2025 Mangalia (Rumänien) an und segelten am nächsten nach

Bulgarien rein. Weiter auf Südkurs waren unsere Etappen in Bulgarien dann Kavarna (ankern im

Hafenbecken vor den Fischereibooten) sowie Baltschik (mit einem eindrucksvollen botanischen

Garten) und so erreichten wir am 21.07. 2025 Varna.

 

21.07.2025 – Nordstern 2 im Stadthafen von Varna, Schwarzes Meer, Bulgarien

 

Eine sehenswerte und quirlige Großstadt mit viel römischer Geschichte, antiken Ausgrabungen und

gepflegten Bauten im historischen Zentrum. Über Byala kommend legten wir am 24.07.25 im Hafen

Nessebar (Unesco-Weltkulturerbe) an. Nessebar besticht durch seine ursprüngliche Ort- und

Baukultur auf der Halbinsel, mit seinen historischen Holzgebäuden und seiner antiken Vergangenheit.

Wenige Seemeilen weiter folgte dann Sozopol mit einer ähnlichen Baukultur. So näherten wir uns

dem bulgarischen Hafen Tsarevo, dem letzten Port of Entry in Bulgarien, und klarierten aus Bulgarien

(und auch der EU) am 27.07.2025 aus. Mit der nun gesetzten gelben Q-Flagge unter der

Gastlandflagge konnten wir vor dem Einklarieren in der Türkei keinen Landgang mehr durchführen.

Der nächste Port of Entry war Istanbul. Wir passierten die türkischen Schwarzmeerhäfen Igneada und

Kiyiköy und ankerten dort jeweils im Hafenbecken. In Kiyiköy hielt der Anker erst beim 5.Versuch.

Unerlaubter Landgang mit dem Dingi oder anlegen war nicht ratsam, die Küstenwache war überall in

der Nähe. Das Wetter war bisher beständig mit gutem Segelwind aus NW-licher Richtung, allerdings

stellten die Wetterfrösche eine stürmische Windprognose mit entsprechendem Seegang in Aussicht,

so dass wir die letzten 55 sm bis zum geschützten Bosporus möglichst zügig unter Maschine

zurückgelegt haben. An diesem Tag war es nahezu windstill, allerdings gab es eine erheblich hohe

Dünung östlich von der offenen See kommend. Die Wellen waren zwar hoch, aber sehr langgezogen,

so dass es ein sanftes hoch und runter war.

 

29.07.2025 – Unser Ankerplatz in der Bucht bei Poyraz vor der Yaruz-Sultan-Selim-Brücke, Bosporus, Türkei

 

Am 29.07.2025 fiel unser Anker in der geschützten Hafenbucht Poyraz an der Nordzufahrt in den

Bosporus, vor der Yaruz Sultan Selim Brücke. Nach einer ruhigen Nacht ging es unter Maschine in die

18 Seemeilen lange Meerenge Bosporus hinein und durch Istanbul hindurch zur Setur-Marina

Kalamis-Fenerbahce im Süden Istanbuls auf der asiatischen Seite, welche als Port of Entry

ausgewiesen war. Für die Türkei benötigten wir ein Transit-Log. Da wir dieses aber noch nicht hatten,

durften wir nur an der Wassertankstelle anlegen und Diesel bunkern, aber diesen Bereich nicht

verlassen. Die Beschaffung des Transit-Logs in der Türkei erfolgt ausschließlich durch staatlich lizensierte

Agenten. Diesen organisierte uns die Marina. Es ist schon ein seltsames Gefühl, einem

unbekannten Menschen sämtliche originalen Boots- und Ausweispapiere zu übergeben, der damit

dann 4 Stunden verschwunden bleibt (in der Zeit aber die Behördengänge erledigte).

Für den Interessierten: Das Einklarieren und Transit-Log kosteten 480 €.

Damit waren wir nun in der Türkei offiziell angekommen. Nun wurde uns auch ein Platz in der Marina

zugewiesen. Der Bosporus ist komplett radarüberwacht. Die nördliche Hälfte war völlig ruhig, ab der

Mitte setzte der Frachtschiffverkehr ein. Die Frachter kamen recht schnell und wie auf einer Kette

aufgereiht vom Süden her uns entgegen. Im südlichen Teil herrschte dichter Fährverkehr, jeder

Freiraum wurde bis zur Rücksichtslosigkeit und Waghalsigkeit durch die Fähren genutzt. In Istanbul

blieben wir 4 Nächte, teils aus Interesse an der Stadt, teils auch wegen der herrschenden Starkwinde

von 25 Knoten und mehr. Die nächsten 3 Wochen hatten wir jeden Tag den Nordostwind (Meltemi)

mit 4-8 Bft bei überwiegend blauem Himmel. Auf unserem Programm standen nun die Hagia Sophia,

der Topkapi-Palast und die Altstadt selbst – eine spannende Mischung aus orientalen und modernen

Anteilen. Wir verließen Istanbul am 03.08.2025 und befanden uns nun im Marmarameer, welches

Bestandteil des Mittelmeeres ist. Das Wetter hatte sich etwas beruhigt und so waren unsere nächsten

Stopps in Güzelce, Tekirdag und Mürefte entlang der Nordküste des Marmarameeres. In Mürefte,

einem gottverlassenen kleinen Industriehafen ohne Trinkwasser, hielt uns ab dem 05.08.2025 der

Wind, aber insbesondere der für unser kleines Boot schwere Seegang auf. Erst nach 4 Tagen wagten

wir den kleinen Sprung in das 10 Sm entfernte Sarköy und warteten auch hier noch einen zusätzlichen

Tag, bis das Wind- und Wellengemenge die Weiterfahrt zuließen. Sarköy selbst war ein kleiner netter

Fischerort. Wir lagen an einem Fischkutter längsseits. Auch hier sprachen wieder einige Türken ein

wenig deutsch, welche uns bei der Beschaffung des Liegeplatzes halfen und uns auch über

Besonderheiten dieses Meeresecke informierten. Von hier aus steuerten wir Gelibolu in den

Dardanellen an und machten in dem kleinen historischen Stadthafen fest.

 

11.08.2025 – Nordstern2 im Hafen von Gelibolu, Dardanellen, Türkei

 

Diesen Liegeplatz hatten wir 2 türkischen Seglern zu verdanken, welche wir in Sarköy kennenlernten

und dessen Heimathafen Gelibolu ist. Sie organisierten uns den Liegeplatz (kostenfrei, „ihr seid

unsere Gäste“ !!!) und lagen uns mit ihrer SY„Heves“ (Bavaria 42) in Gelibolu gegenüber. Hier

„nagelte“ uns der Wind mit bis zu 8 Bft über 6 Tage fest. Die Tage füllten wir mit Besichtigungen aus

in Gelibolu, mit Fähre und Taxi zum antiken Troja, auch zur Festung Kilitbahir und Umgebung. Eine

geschichtsträchtige und interessante Gegend.

 

15.08.2025 – Das aufgewühlte Dardanellenmeer bei Gelibolu, Starkwinde hielten uns 6 Tage hier fest, Türkei

 

Nach nun 3 Wochen Nordostwind mit fast durchgängigen Starkwind, stellte der Wetterbericht nun

langsam segelbares Wetter in Aussicht und so legten wir am 17.08.2025 aus Gelibolu ab und segelten

in den Dardanellen bis nach Çanakkale (Port of Entry) zum Ausklarieren aus der Türkei.

Hier waren sehr intensiv auch die Buschbrände auf beiden Küstenseite zu beobachten.

Die Hitzewelle und Trockenheit hielt immer noch an und viele Hubschrauber und Flugzeuge beim

Löscheinsatz und Wasseraufnahme von der See konnten wir vom Boot aus beobachten.

In Çanakkale angekommen war auch das Ausklarieren nur mit einem Agenten möglich.

Für Interessierte: „nur“ 220 € + 20 € für 3 Stunden anlegen, für einen Stempel und persönlichem

Antreten beim Hafenpolizisten. Dann gleich abgelegt, wieder die gelbe Q-Flagge gesetzt, bis zum

Ausgang der Dardanellen gesegelt und in der Morto Bay bei Seddülbahir den Anker fallen gelassen.

Ein schöner Ankerplatz mit einer lauen und windstillen Nacht unterhalb des Denkmals zur

Dardanellenschlacht 1915.

 

18.08.2025 – Myrina, Insel Limnos, Ägäisches Meer, Griechenland

 

Windstill war es auch am nächsten Tag, so dass wir die 63 Seemeilen bis nach Myrina auf der Insel

Limnos (Griechenland) unter Maschine fahren mussten.

Nun waren wir in der Ägäis angekommen. Limnos selbst ist eine karge Insel mit Myrina (Port of Entry)

als kleinen netten Fischerort. Wir klarierten hier am 18.08.2025 nach Griechenland und der EU

wieder ein und blieben einen zusätzlichen Tag auf der Insel.

Von hier aus ging es zum Südkap der Halbinsel Sithonia (Chalkidiki) und wir ankerten in der

wunderschönen Naturhafenbucht Porto Kophous. Es folgte noch ein weiterer Stopp in Sani im Norden

der Halbinsel Kassandra (Chalkidiki).

Am 22.08.2025 abends erreichten wir nun Thessaloniki im thermaischen Golf und ließen vor der

Werft Mitsoudis den Anker fallen.

Hier sollte unsere Nordstern 2 in das Winterlager gehen.

Mit der Werft wurde alles Erforderliche schon im Winter 2024/2025 vereinbart.

Infolge unserer telefonischen Ankündigung konnten wir vom Ankerplatz sehen, dass die erforderliche

Slipptechnik für uns schon bereitstand.

Nach unserer letzten Ankernacht wurden wir am Vormittag des 23.08.2025 vom Firmeninhaber und

seinen Mitarbeitern mittels Radlader und hydraulischen Slippwagen an Land geholt und auf den

Winterstellplatz rangiert.

Wir rüsteten in den 2 Folgetagen unsere Nordstern2 ab.

Somit endete nach 112 Tagen und 2.684 Seemeilen oder 4971 Kilometer der 1.Teil unseres Rundtörns

zum Mittelländischen Meereskreis.

 

23.08.2025 – Thessaloniki, Shipyard Mitsoudis, Nordstern 2 wird zum Winterstellplatz rangiert, Griechenland

 

 

Unser Fazit:

Es war unser bisher anspruchsvollster Törn mit unvergesslichen Erlebnissen, Anspannungen und

Entspannungen, Befürchtungen und Erlösungen sowie mächtig viel erfahrener Freundlichkeit und

Hilfsbereitschaft der Menschen jeglicher Nationalität vor Ort. Es lohnt sich und ist eine Bereicherung

fürs Leben.

 

 

Ausblick:

Ab dem 04.05.2026 geht es weiter mit dem 2. Teil (Thessaloniki – SVR Rahnsdorf 1926 e.V.).

Der weitere Plan ist:

 

04.05. – Flug nach Thessaloniki; 05. + 06.05.2026 SY Nordstern2 vorbereiten; 07./08.05 abslippen und

ablegen, Ankunft Rahnsdorf zwischen Ende August – Mitte September

 

Kursplanung: Griechenland mit Ägäis, Kanal und Golf von Korinth, Ionisches Meer nach Korfu, von

dort nach Italien (Straße von Otranto), Straße von Messina zwischen Kalabrien und Sizilien,

italienische Westküste, Tyrrhenisches und Ligurisches Meer, Südfrankreich bis Marseille, die Rhone,

die Saône, Vogesenkanal, Mosel, Luxemburg, Rhein, Mittellandkanal, Berlin-Rahnsdorf mit

ca. 1.800 Sm + ca. 2.100 Km Binnen sowie 176 Schleusen

 

Geschätzte Ankunft im SVR: 2.Dekade September 2026

 

 

Erlebt und aufgeschrieben

von Kerstin und Stefan Weiher aus Berlin-Köpenick

und eingereicht beim BSV und DSV für den Fahrtenwettbewerb 2025

Berlin-Köpenick, den 28.11.2025